Analyse zeigt regionale Überversorgung sowohl ambulant, als auch stationär

Deutschland altert – soviel steht fest. Der demografische Wandel ist in der Berichterstattung und mittlerweile auch in den Köpfen der Menschen tief verankert. Laut Zensusergebnis aus dem Jahr 2011 leben in der Bundesrepublik heute rund 550.000 Frauen und Männer, die älter als 90 Jahre sind. Ungefähr jeder Zweite davon ist pflegebedürftig. Die Pflegestatistik des statistischen Bundesamtes, deren letzte Veröffentlichung aus dem Jahr 2011 stammt, gibt 12.300 ambulante Pflegedienste und 12.400 voll- bzw. teilstationäre Einrichtungen an, die neben dem familiären Umfeld der Betroffenen für die Versorgung der insgesamt rund 2,5 Millionen pflegebedürftigen Menschen in Deutschland verantwortlich waren. Während aktuell die offiziellen Zahlen der zweijährlich erscheinenden Statistik auf sich warten lassen, hat die Redaktion der pm pflegemarkt.com GmbH die Versorgungssituation in den Landkreisen der Bundesrepublik anhand der 13.700 bei pflegedatenbank.com gelisteten ambulanten Pflegedienste und 11.100 vollstationären Pflegeheime ausgewertet und auf einer interaktiven Karte dargestellt. Der Fokus liegt dabei auf dem Verhältnis der Anzahl der zur Verfügung stehenden Pflegeplätze in den stationären Einrichtungen und der Anzahl von ambulanten Diensten zur Anzahl älterer Menschen ab 90 Jahre.

 

Im Bundesdurchschnitt versorgt ein Pflegedienst rein rechnerisch 40 Personen ab 90 Jahre, jedem Senior in dieser Altersklasse stehen durchschnittlich 1,5 Pflegeplätze in entsprechenden stationären Einrichtungen zur Verfügung.

 

Karte Überversorgung in der PflegeDie Versorgungssituation in den einzelnen Landkreisen zeigt allerdings teils sehr große Differenzen auf. Insbesondere der Nordosten offenbart eine wesentlich dichtere ambulante und stationäre Versorgung. Im Landkreis Rügen-Vorpommern beispielsweise stehen pflegebedürftigen Personen neben den Dienstleistungen von 79 ambulanten Pflegediensten auch mehr als 2.700 Plätze in stationären Einrichtungen zur Verfügung. In Relation zum Bevölkerungsanteil ab 90 Jahre stehen jedem Einzelnen dieser Gruppe rund 2,5 Betten in den größtenteils gemeinnützig orientierten stationären Einrichtungen zur Verfügung.

 

Diesen Trend bestätigen auch die Zahlen des ambulanten Sektors. Begünstigt auch durch die ländlichen Strukturen Mecklenburg-Vorpommerns und des nördlichen Brandenburgs agieren hier überdurchschnittlich viele, allerdings eher kleine ambulante Pflegedienste mit weniger als 20 Mitarbeitern und nur wenigen Patienten. Im Landkreis Uckermark beispielsweise versorgen mit 61 ambulanten Diensten mehr Pflegedienste ihre Patienten als im Kreis Wesel in Nordrhein-Westfalen, der fast viermal so viele Einwohner und Einwohner ab 90 Jahre hat.

 

Ganz anders zeigt sich die Situation im Südwesten der Republik. Die schwächste ambulante und stationäre Versorgung ist im Lahn-Rhein-Kreis in Rheinland-Pfalz zu finden. Laut Zensusergebnis aus dem Jahr 2011 leben im Landkreis knapp 1.000 Menschen, die 90 Jahre und älter sind. Zwölf ambulante Dienste und rund 1.100 Betten in zwölf stationären Einrichtungen stellen die Versorgung pflegebedürftiger Einwohner dieser Region sicher. Im Verhältnis liegt die Region damit deutlich unterhalb des Bundesdurchschnitts.

 

Bei der isolierten Betrachtung des ambulanten Sektors bildet der schleswig-holsteinische Landkreis Plön das Schlusslicht. Nur neun ambulante Pflegedienste bieten in dem Kreis mit mehr als 1.000 Einwohnern ab 90 Jahre ihre professionellen Dienstleistungen im Pflegebereich an.

 


Quellen:

  • Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Zensusergebnisse 2011
  • Statistisches Bundesamt, Pflegestatistik 2011
  • pflegedatenbank.com